Bernd Lohaus

30.10 – 22.12

Daniel Marzona is pleased to announce a solo exhibition of works by Bernd Lohaus.

Lohaus’ third solo exhibition at the gallery brings together a two-part wooden sculpture, placed on the floor, a wall-related sculpture, as well as several collages and works on paper made between 1969 and the mid-80s.

Historically anchored in Fluxus and Minimal Art, Lohaus’ sculptural works are somehow vulnerable. By embracing the wood’s found personality, without directly referencing it, his sculptures are charged with meaning through minimal intervention. Inscribed prepositions, names or fragments of sentences, sometimes adorn the ashen colored pieces’ extremely heavy presence giving hints about possible relationships and placing the works in a different realm.

Although weighty and static, Lohaus’ arrangement of sculptural elements implies the potential for movement: wooden beams lean against a wall, or are placed in a way that proposes potential re-arrangement. Parts are not attached to each other but stacked, or loosely laid together, adding to their internal tension. Lohaus’ Untitled (1991) which consists of two carefully placed beams of azobe, the coarsely textured, dense and heavy wood known for its great strength and resilience and common in his sculpture, is indicative of Lohaus’ quintessential ability to embody human tensions and articulate relationships within and between seemingly inanimate units.

Lohaus’ collages possess a similar dynamic. Their formal reductiveness can clash with expressive language (e.g. NEIN and JA), and provoke an interplay of high emotion and humble materials applied unpretentiously. The words, despite their clear respective meanings, remain obscure, and only hint at connections with one another. The feeling of suspense is heightened by the artist’s modest use of tape and crayon. Markings are intentionally placed and yet resemble traces from a conversation. This transformative quality is present in all of Lohaus’ works, making his oeuvre singular in its subliminal expressiveness.

 

Bernd Lohaus was born in Dusseldorf in 1940 and died in Antwerp in 2010. In 1965, he and his wife Anny De Decker founded Antwerp’s Wide White Space Gallery (until 1976). After beginning with Fluxus-like Happenings, in 1969 he had his international artistic debut at Harald Szeemann’s exhibition “When Attitudes Become Form” in the Kunsthalle Bern. In September 2014, Daniel Marzona opened his Berlin gallery programmatically with a solo exhibition by this pioneering artist. Lohaus’ work has been shown in international institutions, most recently at Skulpturenhalle Neuss (2019), and Palazzo Grassi, Punta Della Dogana, Venice (2020).

 

 

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Daniel Marzona freut sich, eine Ausstellung mit Arbeiten von Bernd Lohaus anzukündigen.

Die dritte Einzelausstellung von Lohaus in der Galerie vereint eine zweiteilige, am Boden liegende Holzskulptur, eine wandbezogene Skulptur, sowie zahlreiche Collagen und Arbeiten auf Papier, die zwischen 1969 und Mitte der 1980er Jahre entstanden.

Historisch zwischen Fluxus und Minimal Art verankert, wirken die bildhauerischen Arbeiten von Lohaus seltsam verletzlich. Indem er den Charakter und die Geschichte des gefundenen Holzes aufgreift, ohne jedoch buchstäblich auf sie zu verweisen, werden seine Skulpturen durch minimale Eingriffe mit Bedeutung aufgeladen. Ins Holz eingeschlagene Präpositionen, Namen oder Satzfragmente finden sich nicht selten auf den Oberflächen der materialschweren, aschfarbenen Werke. Sie verweisen auf mögliche Kontexte und versetzen die Arbeiten gleichsam in andere Bedeutungszusammenhänge.

Obwohl auf den ersten Blick schwer und statisch implizieren die Anordnungen der skulpturalen Elemente ein Potential der Beweglichkeit, der Veränderbarkeit: Holzbalken lehnen an einer Wand oder werden so am Boden gelegt, dass eine Neuanordnung möglich erscheint. Einzelne Teile werden nicht aneinander befestigt, sondern lose gestapelt oder zusammengelegt, was zu einer inneren Spannung des Gefüges beiträgt. Die Arbeit Untitled (1991), die aus zwei sorgfältig platzierten Balken aus Azobé besteht – einem extrem dichten und harten Holz, das für seine Schwere und Widerstandsfähigkeit bekannt ist und das der Künstler wiederholt gebrauchte – weist auf Lohaus‘ grundlegende Fähigkeit hin, zwischen vermeintlich unbelebten Teilen eine gleichsam menschliche Spannung und Bezüglichkeit zu artikulieren.

Eine ähnliche Dynamik besitzen die Collagen von Lohaus. Die Kollision von formaler Reduktion und expressiver Sprache (z.B. JA und NEIN) provoziert ein unprätentiöses, wahrhaftiges Wechselspiel zwischen hoher emotionaler Ausdruckskraft, formaler Strenge und dem Einsatz sehr einfacher Materialien. Die Wörter bleiben trotz ihrer jeweils klaren Bedeutung undurchsichtig und deuten Zusammenhänge nur an. Diese Spannung wird durch den maßvollen Einsatz von Klebeband und Buntstift verstärkt. Markierungen wirken gleichzeitig bewusst und intuitiv gesetzt und ähneln so dem Nachklingen eines intensiven Zwiegesprächs. Diese transformative Qualität ist in allen Werken von Lohaus präsent und macht sein Oeuvre in seiner formalen Klarheit und unterschwelligen Ausdruckskraft einzigartig.

 

Bernd Lohaus wurde 1940 in Düsseldorf geboren und starb 2010 in Antwerpen. 1966 gründete er mit seiner Frau Anny De Decker die Antwerpener Wide White Space Gallery (bis 1976). Nach ersten Fluxus-ähnlichen Happenings, gab er 1969 sein internationales künstlerisches Debüt in Harald Szeemanns Ausstellung „When Attitudes Become Form“ in der Kunsthalle Bern. Im September 2014 eröffnete Daniel Marzona seine Berliner Galerie programmatisch mit einer Einzelausstellung des Künstlers. Lohaus‘ Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Institutionen gezeigt, zuletzt in der Skulpturenhalle Neuss (2019) und im Palazzo Grassi, Punta Della Dogana, Venedig (2020).